Saisonfinale in Oslo
Sportler aus 13 Nationen haben sich angekündigt zum Weltcupfinale im DKB FIS-Weltcup der Nordischen Kombination, wenn in Oslo ein Teambewerb am Samstag und ein Einzelrennen am Sonntag ausgetragen wird. Die Schanze (HS 134) ist brandneu, vor wenigen Tagen hat sie Skispringerin Annette Sagen (NOR) offiziell eingeweiht. Gelichzeitig sind die Wettkämpfe die Tests für die im kommenden Jahr an gleicher Stelle stattfindenden Weltmeisterschaften. Der Gesamtweltcup ist vergeben: Die große Kristallkugel nimmt Jason Lamy Chappuis (FRA) mit nach Hause; um den Nationencup wird noch zwischen Österreich und Deutschland gerangelt.
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Einige weitere Entscheidungen zweiten Grades stehen noch aus: Wer wird Dritter und Vierter (Eric Frenzel oder Magnus Moan/NOR)? Wie schlagen sich die Deutschen, die ohne Björn Kircheisen und Sebastian Haseney (Saison bereits beendet) antreten? Doch ansonsten: Es könnte ein gemütliches Saisonfinale werden, mit dem norwegischen König in der Loge und den letzten Heldentaten in der Loipe.
Der Konjuktiv ist angebracht, da seit vorigem Wochenende nach den Wettbewerben in Lahti ein Streik der Kombinierer im Raum steht. Immer noch geht es um olympischen Wettbewerb vom 25. Februar 2010 in Whistler, bei dem sich die letzten fünf, sechs Athleten massv benachteiligt fühlten. Eine Aussprache mit Walter Hofer, Head of Nordic Combined and Ski Jumping der FIS, brachte nicht die von den Athleten gewünschten Erklärungen. Und so meinte eine Handvoll Sportler, angeführt von Felix Gottwald, dass für Oslo Maßnahmen geplant wären, die aber geheim gehalten würden, um sie nicht zu gefährden.
In der Zwischenzeit sind einige Tage vergangen, der Mutmaßungen gibt es einige. Kolportiert wird, dass die Kombinierer zu Beginn des Team-Events an der Startlinie verharren, ein Transparent entrollen und über den Stadionsprecher auf ihr Anliegen aufmerksam machen wollen. Kolportiert wird auch, dass sie 100 m vor der Ziellinie stehen bleiben und oben beschrieben Vorgang in die Tat umsetzen. Kolportiert kann auch werden, dass etwas ganz anderes passiert.
Doch, Hand aufs Herz: Hat diese Aktion überhaupt eine Chance? Wer soll am Anfang oder am Ende des Rennens stehen bleiben und auf Missstände hinweisen, die, unter nüchternen, objektiven Kriterien eines Freiluftsports betrachtet, gar nicht ganz so schrecklich aussehen? Die Amerikaner, die am 25.2. Gold und Silber gewannen? Die Norweger, die ihr Heimrennen an der Geburtsstätte des Nordischen Skisports beschmutzen würden? Die Deutschen, die noch um den Nationencup kämpfen? Die Italiener, Slowenen, Polen, Japaner, Finnen, Schweizer, Tschechen? Bleiben, vielleicht, Österreicher und Franzosen.
Fakt ist, dass die Sportlerszene alles andere als geeint ist. Auch die Trainer ziehen nicht am gleichen Strang, weil Verlierer und Gewinner selten im gleichen Boot sitzen. "Wenn wir über faire Wettbewerbe in der Zukunft diskutieren wollen", meinte der US-Trainer Dave Jarrett, "dann gerne - aber dann bitte Fairness vom ersten bis letzten Springer und nicht nur für die letzten zehn." „Der Internationale Skiverband mit seinen Veranstaltern organisiert und führt Wettkämpfe durch. Die von den jeweiligen Nationalen Skiverbänden genannten Athleten sind dazu herzlich eingeladen, mitzumachen", sagte Hofer.
Doppel-Olympiasieger Mario Stecher (AUT) meinte; "Im Vorfeld der Wettkämpfe in Lahti wurde natürlich unter den Athleten aller Nationen sehr viel über den Bewerb auf der Großschanze in Vancouver diskutiert. Die Jury hat Fehler gemacht und zu diesen Fehlern sollte man auch stehen. Jetzt aber von den Funktionären der FIS eine Entschuldigung für nur diesen einen Bewerb einzufordern ist entgegen meiner Absicht. Viel mehr ist es mir ein Anliegen, dass solche Fehler in Zukunft nicht mehr passieren und man aus solchen Fehlern lernt. Schließlich war es ja nicht das einzige Mal in dieser Saison, dass sich die Jury Fehler dieser Art und Weise eingestehen muss oder sollte. Siehe Oberhof, siehe Predazzo. Der Jury fehlt es einfach an der nötigen Stärke und am nötigen Durchsetzungsvermögen. Daher werden wir uns als Athleten für die Weltcup Bewerbe in Oslo noch eine Art des Protests vorbehalten. Nicht nur wegen der fehlenden organisatorischen Stärke der Verantwortlichen der FIS, sondern auch weil wir glauben nur Spielbälle, wie zum Beispiel im Bereich des Finanziellen und Medialen, der Mächtigen zu sein. Deshalb geht es uns nicht um eine Entschuldigung seitens der FIS, sondern um konkrete Vorschläge und Lösungen für die Zukunft unserer Sportart Nordische Kombination."
Anfang April werden die Ereignisse vom 25. Februar in den zuständigen Kommissionen aufgearbeitet - unabhängig davon, welche Aktionen die Athleten in Oslo setzen oder nicht setzen werden. Klar ist jedenfalls ein weiterer Fakt: Auch bei den letzten Kombinationsbewerben der Saison wird das Siegerpodest besetzt sein.
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