"Habe noch einige Ziele in dieser Saison" - Interview mit Alessandro Pittin
In der Gesamtwertung wird er aktuell als Drittplatzierter geführt, in Lillehammer hat er am vergangenen Wochenende mit dem zweiten Rang das beste Resultat seiner noch jungen Karriere feiern können. Der 21-jährige Italiener Alessandro Pittin ist ohne hohe Zielsetzungen in diese Saison gestartet, seine Ergebnisse aus den ersten Wettkämpfen können sich nun aber durchaus sehen lassen. Nicht so viel darüber nachdenken, sondern lieber genießen und weiter konzentriert arbeiten, lautet sein Motto.
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Alessandro, erst einmal noch herzlichen Glückwunsch zu deiner Podestplatzierung am letzten Samstag. Von einem 29. Rang nach dem Springen konntest du auf einen zweiten Rang vorlaufen. Wie hattest du dir dein Rennen eingeteilt?
Pittin: Der Sprung ist mir nicht so gelungen, wie ich es mir vorgestellt hatte, auch wenn der Rückstand zum Erstplatzierten nicht sehr groß war. Ich hatte ein Problem mit meinem Sprungschuh, da ein Klettband gerissen war und ich den Schuh nicht mehr auswechseln konnte. Ich war verunsichert, denn ich wusste nicht, ob der Schuh während des Sprungs halten oder nachlassen würde. Mein Sprung war daher anschließend auch nicht gut wie zuvor im Training. Im Laufen hatte ich mir vorgenommen, an Magnus Moan dranzubleiben, um so viel wie möglich auf die Ersten aufzuholen. Während der letzten zwei Runden wurden meine Skier immer schneller und im letzten Teil des Rennens war ich schneller als meine Konkurrenz und habe mir auf diese Weise Energie für das Finale sparen können. Am steilsten Hang habe ich schließlich versucht, meine Gegner hinter mir zu lassen und mich dem Trio an der Spitze genähert. Auf der Zielgeraden hatte ich aber nicht mehr die Kraft, um auch Klemetsen zu überholen.
Die Bedingungen waren an diesem Wochenende oftmals schwierig. Am Samstag wurde das Springen abgesagt, dann schneite es stark beim Langlauf. Wie kamst du damit zurecht?
Pittin: In den ersten Wettbewerben hatten wir nicht sehr viel Glück mit den Bedingungen und in beiden Fällen hat die Jury auf die Provisional Competition Round zurückgreifen müssen. Wir sind auf jeden Fall an diese Bedingungen während der Wettbewerbe gewöhnt, inklusive Änderungen des Ablaufs im letzten Moment. In solchen Situationen muss man ruhig und konzentriert bleiben. Die Stimmung im Team ist dabei sehr wichtig und in unserer Mannschaft kommen wir wirklich gut miteinander aus. Das hilft viel in diesen Fällen.
Mit einem zweiten und einem zehnten Rang ist Lillehammer ein erfolgreiches Wochenende für dich gewesen. Wie bewertest du es für dich persönlich?
Pittin: Ich bin ohne größere Erwartungen zu den ersten Wettkämpfen nach Skandinavien gereist. Es haben sich aber von Anfang an gute Resultate eingestellt. Beim ersten Rennen in Lillehammer habe ich sogar die beste Platzierung meiner Karriere erreicht. Für mich bedeutet das sehr viel, vor allem, wenn man bedenkt, dass ich diese Resultate erreicht habe, ohne besonders gute Sprünge gezeigt zu haben.
Als nächstes steht nur der Weltcup in Ramsau in Österreich an. Was macht die Besonderheit dieses Ortes aus deiner Sicht aus?
Pittin: In der Ramsau stand ich 2009 zum ersten Mal auf dem Podest. Im vergangenen Jahr habe ich dort im zweiten Wettkampf meinen besten Sprung gemacht und wenn ich im Laufen nicht Probleme mit dem Material gehabt hätte, wäre ich vielleicht wieder unter den ersten Drei gewesen. Ich finde mich sehr gut auf dieser Anlage zurecht und auch die Loipe gefällt mir besonders gut.
Haben sich deine Zielsetzungen für das nächste Wochenende durch deine letzten Leistungen an verändert? Was rechnest du dir für Ramsau und den Rest der Saison aus?
Pittin: Dieses Jahr komme ich als Dritter der Gesamtwertung nach Ramsau und gerade deswegen will ich des Guten nicht zu viel tun. Es ist meine Lieblingsschanze und ich hoffe, dort gute Sprünge zeigen zu können. Ich habe noch einige Ziele in dieser Saison und eines davon könnte ich schon hier in Ramsau erreichen. An den Rest der Saison will ich jetzt noch nicht denken. Ich versuche einfach, bei jedem Wettkampf mein Bestes zu geben. Sicher ist aber, dass ich im Springen noch stabiler werden muss.
Wie hast du die Weltcup-Premiere des Penalty Race erlebt? Was sind aus deiner Sicht die Vor- und Nachteile?
Pittin: Was das Fernsehen betrifft, kann ich kaum etwas dazu sagen, da ich bis jetzt nicht viel habe sehen können. Als Athlet bin ich aber optimistisch, denn unser Sport braucht Veränderungen und dieses neue Format kann daher nur etwas Positives sein. Es muss allerdings noch einiges verbessert werden. Zum Beispiel wäre es gut, wenn das Springen für alle Athleten unter mehr ausgeglichenen Bedingungen verläuft, was beim ersten Penalty Race in Lillehammer leider nicht der Fall war. Meiner Meinung nach sollte man Wind- und Gate-Faktor auch in diesem Format miteinbeziehen. Zudem bin ich überzeugt davon, dass das Penalty Race nur auf Normalschanzen durchgeführt werden sollte. Und schließlich wird es noch wichtig sein, den Fernsehzuschauern die Besonderheiten beim Lauf deutlich und verständlich zu machen.
Mariele Stockinger/Silke Tegethof
Schlüsselwörter: pittin lillehammer moan ramsau
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