Sein Onkel ist Joachim Winterlich, Trainer von Jens Weißflog zu dessen Hoch-Zeiten, sein Vater ist Eberhard Riedel, der in den 60-er Jahren in Adelboden siegen und somit den ersten Alpinsieg für Deutschland überhaupt landen konnte. Und er selbst ist Peter Riedel, 47 Jahre alt, ein Bauingenieur, der aus dem Alpinen Bereich kommt und dabei ist, im Nordischen Skisport neue Maßstäbe einzuführen.
"Seit dem Jahr 2002 beschäftige ich mich mit Schneeerhaltungssystemen und bin im Auftrag des Deutschen Skiverbandes für den Skitunnel in Oberhof zuständig. Ich erstellte die gesamte Grundlagenentwicklung und prüfte die Umsetzbarkeit", erzählte Riedel am Rande des DKB FIS Kombinations-Weltcups in Chaux-Neuve. "Hintergrund war der Gedanke, dass sich die Trainingsmöglichkeiten in Mitteleuropa verbessern müssten und kostenintensive Auslandsaufenthalte reduziert werden könnten." Doch Probleme kann es nicht nur auf den Loipen, sondern besonders auch in den Anlaufspuren der Schanzen geben. "Unsere Idee war, ein System anbieten zu können, das für Sportler gleiche Anfahrtsbedingungen herstellt, das Alternativen in Momenten meteorologischer Veränderungen hat, das für die Schanzenbetreiber auch finanziell attraktiv ist", meinte Riedel.
Gespräche mit Walter Hofer, Head of Ski Jumping and Nordic Combined der FIS, folgten, es entstand SKI-LINE, das in Zusammenarbeit mit dem multi-nationalen Kunststoff-Konzern Rehau hochgezogen wird. Die Eckdaten sind ebenso beeindruckend wie einfach zugleich. Jede SKI-LINE-Anlage verfügt über zwei Spuren, eine Eisspur und eine Sommerspur. Die Abdeckung kann innerhalb von wenigen Minuten von der einen auf die andere Spur verlegt werden. Das Eis ist 7.5 cm dick und kann bis zu Temperaturen von 19 Grad Celsius hergestellt werden, mit einer Kälteleistung von 20 Kilowatt oder umgerechnet 2,70 Euro pro Tag. Deswegen konnte 2008 das deutsche Team schon Ende Oktober in Garmisch-Partenkirchen auf einer Eisspur trainieren, und 2009 eröffente Trondheim am 17. September die Akzente setzende Anlage. "Theoretisch ist ein Eistraining das ganze Jahr über möglich", meinte Riedel, "aber das würde klarerweise auch im Widerspruch zu Jahres- und Trainingsplanungen stehen."
Derzeit setzen fünf Anlagen auf das SKI-LINE-System: neben Garmisch-Partenkirchen ("dort haben wir einen hohen Stellenwert für unsere Marke geschaffen, der Dank geht an die ausgezeichnete Kooperation mit den dortigen Organisatoren") und Trondheim sind dies Winterberg (zwei Schanzen) und Chaux-Neuve. Gearbeitet wird in Hinzenbach (Oberösterreich), wo die Anlage im Oktober mit den österreichischen Meisterschaften in Betrieb genommen werden soll.
Die Herausforderungen hören nicht auf. Ziel Riedels ist, das Eis der einen Spur und den Kunststoff der Schneespur dahingehend anzugleichen, dass die Gleitfähigkeiten dieselben sind und dass - sofern es einmal das Reglement erlauben würde - innerhalb eines Wettkampfdurchgangs von der einen auf die andere Spur gewechselt werden könnte. "Wir wollen in der Entwicklung weiterkommen", umreißt Riedel deshalb die Aufgaben der nächsten Jahre. "Selbstverständlich bewerben wir unser Service, wie beispielsweise hier in Chaux-Neuve, aber es muss der Schanzenbetreiber davon überzeugt sein, dass ihm unser System die größtmögliche Sicherheit geben kann."
Überzeugen statt überreden also. In Chaux-Neuve ist es Riedel gelungen. Die neue Spur hat im wahrsten Sinne des Wortes eingeschlagen, dermaßen, dass die französischen Organisatoren einmal nachfragen mussten. Wie man denn die Spur langsamer machen könne. Schwere Sache, lautete die Antwort. Eingentlich gar nicht. Und die Empfehlung lag auf der Hand: einfach ein paar Luken runtergehen mit dem Anlauf...